Die Finanzkrise – eine ethisch – politische Herausforderung

Veröffentlicht am 25.06.2009 in Ortsverein

Der SPD – Ortsverein Dornstetten – Waldachtal konnte bei seiner
Veranstaltung am vergangenen Freitagabend im Dornstetter Gasthof Zur Linde zahlreiche Gäste begrüßen. Mit dem Betriebsseelsorger Paul Schobel war nicht nur ein sachkundiger Referent gewonnen worden, er verstand es auch, die komplizierten Zusammenhänge im Bereich der Finanz – und Wirtschaftspolitik verständlich darzustellen.

Zur aktuellen Lage zeigte er folgende Fakten auf: Die Finanzkrise ist zu einer großen internationalen Wirtschaftskrise, gepaart mit einem konjunkturell bedingten Abschwung, angewachsen. Der Export in Deutschland ist zwischenzeitlich um mehr als 13%, bei einer exportabhängigen Wirtschaft von ca. 60%, eingebrochen. Bei bundesweiten Rückgängen im exportlastigen Fahrzeugbau von über 30% ist Baden – Württemberg bei den Auftragseingängen besonders im Fahrzeug – und Maschinenbau samt Zuliefererindustrie (Maschinenbau minus 49%) betroffen. Es ist ein Rückgang des Wirtschaftswachstums bis zu 2,5% zu befürchten.

Im März sind wir trotz massiver Kurzarbeit bereits wieder bei 3,56 Millionen Arbeitslosen mit steigender Tendenz (8,6%) auf Bundesebene angelangt. Die Dauer der Krise ist völlig ungewiss, da noch weitere „Leichen im Keller liegen“, (Kreditkartenblase USA, ca. 300 Milliarden faule Wertpapiere bei deutschen Banken). Die Finanzwirtschaft hat sich längst von der realen Wirtschaft abgekoppelt und ein fatales Eigenleben entwickelt. Aus der Finanzwirtschaft ist nach Auffassung von Schobel eine Finanzindustrie geworden, verbunden mit Finanzprodukten, die ständig mit Fantasie und krimineller Energie neu erfunden werden. Die Geldschöpfung ist schon lange nicht mehr Staatsmonopol. Allein über die verschiedenen Formen der Spekulation wechseln täglich ca. 3 Billionen US – Dollar ihre Besitzer. Nur noch 2% dieser Summe decken echte Leistungen ab, z.B. Gas – oder Ölrechnungen. So hat man im neo – liberalen Wahn auf die Kontrolle des sensibelsten Wirtschafssektors verzichtet und diesen dem Markt überlassen. Bedauerlicherweise hat sich die Öffentliche Hand selbst in dubiose Finanzmarkt – Machenschaften eingelassen, Beispiele dafür gibt es viele.

Ebenso rigide wurde die Deformation der solidarischen Sicherungssysteme zu Gunsten der kapitalgedeckten vorangetrieben. Unter biblisch – ethischen Gesichtspunkten ist aus seiner Sicht festzustellen, der Kapitalismus ist am Ende und nicht zukunftsfähig. Ziel muss eine globale, ökosoziale und demokratische Marktwirtschaft sein. Ethische Defizite müssen aufgearbeitet werden, wie z. B. eine neue Philosophie des Geldes, das vom Tauschmittel zum „Produkt“ entartet ist. Nach seinen Worten ist die eingetretene Situation der Bibel nicht fremd. Hier nur einige Stichworte: Gott oder Mammon, Bal oder Gerechtigkeit, Markt oder Politik, bis hin zum Versuch, alle 25 Jahre über ein Jobel – Jahr die Zähler wieder auf Null zu stellen (Entschuldung, Neuverteilung der Grundstücke, Entlassung der Sklaven).

Die politischen Ziele müssen daher sein: Die Rückkehr des Staates, die Neuerfindung des Sozialstaates, die Rückeroberung der Geldhoheit, die Wiederaneignung öffentlicher Güter. Wir brauchen einen neuen Ordnungsrahmen für die Finanzmärkte, aber auch ein mutiges Sozialwort der Kirchen. Er sagte weiter, wir sehen uns bei der KAB in zwei großen, alten Forderungen bestätigt: 1. Die Rente ist nur als umlagefinanzierte Rente sicher und nirgendwo unsicherer als an den Kapitalmärkten. 2. Eine stärkere betriebliche Vermögensbildung, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. Allerdings muss dabei das Kapitalrisiko für die Arbeitnehmer abgesichert werden. Schobel appellierte an die Anwesenden, gemeinsam verstärkt Aufmerksamkeit zu zeigen für diejenigen, die infolge dieser Krise unter die Räder kommen. Es sind weniger die, die aufgrund von Spekulationen und entsprechenden Anlagen Teile ihres Vermögens verlieren. Es werden vielmehr jene sein, die nun in der realen Wirtschaft um Arbeit und Einkommen betrogen werden. Die Arbeitslosigkeit nimmt jetzt schon spürbar zu. Wir wissen, welche Spur der Verwüstung sich durch die Seelen der Betroffenen zieht, von den materiellen Problemen ganz zu schweigen. Ebenso werden wir achten müssen auf die Überlasteten, die heutzutage am Abend nach Hause kriechen und keine Zeit mehr für Familie, Beziehungen, Kinder, Politik oder Kultur haben. Auch die Gemobbten dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, die zermürbt werden, genauso wie die prekär Beschäftigten und Niedriglöhner.

Den Ausführungen schloss sich eine lebhafte und konstruktive Diskussion an. So forderte die Bundestagskandidatin Saskia Esken entscheidende Verbesserungen im Bereich der Bildung und Ausbildung bis hin zu einem Schutzschirm für Ausbildungsplätze und eine stärkere Verbindung von Kurzarbeit und Weiterqualifizierung. Gerade für Un – und Angelernte sei es im Hinblick auf die zukünftige Beschäftigung unerlässlich, dass sie qualifiziert würden.

saskiaesken.de

 

 www.saskiaesken.de

Lernen Sie unsere Bundestagsabgeordnete
kennen.

Werde Mitglied!

Jetzt Mitglied werden

News

03.07.2026 18:19 Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv
Zum aktuellen Reformpaket der Bundesregierung warnt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Gesundheit der SPD vor negativen Folgen. „Der von der Union durchgesetzte Punkt der Koalitionsausschusseinigung, dass künftig bereits ab dem ersten Tag eine ärztliche Krankschreibung eingeholt werden muss, ist völlig abenteuerlich“, erklärt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) Boris Velter. „Wenn nun… Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv weiterlesen

23.06.2026 19:06 Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission
Reform muss zu spürbaren Verbesserungen gegenüber dem Status quo führen Der Abschlussbericht der Rentenkommission ist eine gute Grundlage für eine umfassende Reform, die wir jetzt gründlich beraten und dann auf den Weg bringen wollen. „Die Kommission hatte die Aufgabe, Vorschläge zu entwickeln, wie insbesondere Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ihren Lebensstandard im Alter sichern… Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission weiterlesen

20.06.2026 12:14 Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag
117 Millionen Menschen auf der Flucht Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, wird daran erinnert, dass Millionen Menschen gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen mussten. Hinter den Zahlen stehen persönliche Geschichten und individuelle Schicksale. „Aktuell sind weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter viele Kinder, oftmals ohne die Begleitung… Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag weiterlesen

18.06.2026 12:25 „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“
Rechte Mehrheit im EU-Parlament stellt Vereinbarung für sauberes Wasser infrage Das Europäische Parlament hat heute eine Resolution zur Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) verabschiedet. Die in der vergangenen Legislatur beschlossene Vereinbarung zur Verbesserung der Wasserqualität sieht Vorschriften für eine durch Unternehmen gestützte Finanzierung der sogenannten 4. Reinigungsstufe vor. An dieser finanziellen Großaufgabe sollen vor allem Kosmetik-… „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“ weiterlesen

18.06.2026 12:16 Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz
Arbeitszeitgesetz: Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass die neue Arbeitszeitregelung keine Ausweitung der Arbeitszeit gegen den Willen der Beschäftigten sein darf, so Annika Klose. „Wir haben im Koalitionsvertrag explizit vereinbart, dass eine solche Reform auch und gerade im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgestaltet werden muss. Dass es also auch… Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de

SPD KV Freudenstadt

Halten Sie einen "Ringbus" in Dornstetten und den Stadtteilen für sinnvoll?

Umfrageübersicht

Counter

Besucher:645198
Heute:65
Online:1