Lothar Binding zu Gast im Ortsverein

Veröffentlicht am 09.11.2009 in Ortsverein

Finanzkrise: Wer zahlt die Zeche – Jung oder Alt, Arm oder Reich?
Lothar Binding MdB zu Kapitalmärkten, Banken und den Aufgaben der Politik
29. Oktober 2009

Viele interessierte Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung der SPD Dornstetten gefolgt, um mehr zu den Hintergründen der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise zu erfahren. Die Anregung zu dieser Veranstaltung hatte der Kreisvorsitzender der AG60Plus, Hans Lambacher, gegeben und dabei ein Thema aufgegriffen, das vielen Menschen auf den Nägeln brennt. Die Zuhörerinnen und Zuhörer zeigten ein ausgeprägtes Bedürfnis nach ehrlichen Antworten auf offene Fragen: Wie können wir verhindern, dass sich die Schuldigen aus dem Staub machen und die Steuerzahler zur Kasse gebeten werden? Wie können wir die finanziellen Belastungen, die aus der tiefsten Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik entstehen, gerecht verteilen – jetzt und mit Blick auf nachfolgende Generationen?

Bernhard Allgeier gab in seiner kenntnisreichen Begrüßung dem Referenten des Abends, dem Bundestagsabgeordneten Lothar Binding, dieses Leitmotiv der Veranstaltung mit auf den Weg: „Verantwortung heißt auch Antworten geben.“ Der Landesvorsitzende der AG 60Plus griff diese Vorgabe gerne auf und bedankte sich zunächst bei Saskia Esken, die sich im Wahlkreis Calw/Freudenstadt um ein Bundestagsmandat beworben hatte. Er erinnerte an ihren sehr engagierten, bürgernahen und mit großer Fachkompetenz geführten Wahlkampf – insbesondere auch an ihren Gedankenaustausch mit Erhard Eppler oder die bei einer gemeinsamen Veranstaltung angestellten Überlegungen zu einer sozial gerechteren Finanzpolitik.

Binding, der Mitglied im Finanz- und Haushaltsausschuss des Bundestags ist, rechnet mit schwerwiegenden Folgen der Krise. "Wir müssen die richtigen Lehren aus der Krise ziehen und unser Weltfinanzsystem grundlegend umbauen. Dazu brauchen wir klare Regeln und ein neues Wertesystem, um Verantwortung neu zu begründen und Vertrauen wiederherzustellen“, erläuterte er. Leider gebe es ja keinen guten Schutzengel für die Finanzmärkte, der dabei himmlischen Beistand leisten könne, fügte er mit Blick auf den Veranstaltungsort augenzwinkernd hinzu und bewies danach in einem kurzweiligen und lebhaften Vortrag, wie spannend Finanzpolitik sein kann.

Danach ging es um Vorschriften für Kreditvergabe und Eigenkapital, Vergütungsmodelle, Haftungsregeln von Bankmanagern und den Umgang mit den gefürchteten „toxischen“ Wertpapiere in den Bankbilanzen – eigentlich schwer verdauliche Kost, die Binding den interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern allerdings sehr anschaulich und verständlich präsentierte. Mit dicken Farbstiften zeichnete er auf ein riesiges Stück Papier ein Schaubild, das den interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern die Entstehung der Finanzmarktkrise verdeutlichte – von den Eigenkapitalreserven der Banken gemäß den Basel-II-Regeln, den Verbriefungen, Kreditverlagerungen und Zweckgesellschaften bis zur Niedrigzinspolitik und den Erosionen am Immobilienmarkt in den USA.

Die Verknüpfung der Finanzmarktkrise mit einem angeblichen Versagen der staatlichen Finanzmarktaufsicht und dem Scheitern der öffentlichen Banken wies der Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Heidelberg und Weinheim zurück. Richtig sei vielmehr, dass die leichtfertige Kreditvergabe, die gezielte Umgehung staatlicher Sicherungssysteme, die Missachtung von Eigenkapitalvorschriften und das Versagen der Wirtschaftsprüfer und Rating-Agenturen wesentliche Ursachen der Finanzkrise sind. Denn so Binding weiter: „Die Hiobsbotschaften von den internationalen Finanzmärkten haben bei vielen Banken einen schockierenden Mangel an Verantwortungsbewusstsein, Selbstdisziplin und internen Kontrollen offen gelegt“. Bankvorstände, Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsräte werden daher neu über ihre persönliche und berufliche Verantwortung nachdenken müssen.

Auf nationaler Ebene sei der Staat für die angeschlagenen Banken in die Bresche gesprungen, um die Ersparnisse der Bürger zu schützen, neues Vertrauen unter den Banken zu stiften und die Kreditversorgung für den Mittelstand zu sichern. Dafür haben die Finanzmarktstabilisierungsgesetze, die Konjunkturprogramme und der große Bürgschaftsrahmen gesorgt, so Binding, der diese Maßnahmen im Finanz- und Haushaltsausschuss mit auf den Weg gebracht hatte. Damit hat der Bund etwa Mitspracherechte bei Produkten, Strukturen und Geschäftspolitik von Banken, die staatliche Hilfe gegen eine Gebühr in Anspruch nehmen. Die Kombination aus solider Bürgschaft und Bankrekapitalisierung mit harten Auflagen sei ein Verdienst des scheidenden Finanzministers Steinbrücks und habe sich auch international durchgesetzt.

Nun sei es wichtig, private Anleger zu schützen, die für ihre Altersabsicherung vorsorgen und Ersparnisse auf dem Finanzmarkt anlegen möchten. Die SPD-Bundestagsfraktion habe kluge Überlegungen vorgelegt, um künftig zu verhindern, dass Finanzberater und Banken ihren Kundinnen und Kunden aus Profitgier unseriöse und höchst riskante Produkte aufschwatzen, gleichzeitig aber jegliche persönliche Verantwortung von sich weisen und stattdessen nach dem Staat rufen, um die Vermögensverluste der getäuschten Anleger aus Steuergeldern auszugleichen.

„Der Krise können wir am besten mit einer staatlichen Nachfragepolitik begegnen. Es ist deshalb richtig, dass die öffentlichen Haushalte von Bund, Ländern und Gemeinden ganz bewusst Schulden aufnehmen , damit wir etwa gezielt in Bildung, Qualifizierung und Innovationsforschung sowie in die kommunale Infrastruktur investieren können“, betonte der Finanzexperte der SPD-Bundestagsfraktion. Die alte Bundesregierung hatte sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht und erst nach sorgfältigen Überlegungen getroffen, um Arbeitsplätze und Unternehmen in der Wirtschaftskrise zu erhalten.

Ebenso wichtig sei es allerdings auch, diese Schulden baldmöglichst wieder abzubezahlen. Dafür sei die Schuldenbremse ins Grundgesetz eingebaut worden – die finanzielle Last für die künftigen Generationen müsse schließlich tragbar bleiben. Mit Sorge betrachtet Binding, wie die neue Bundesregierung leichtfertig und ohne Not den Weg der Neuverschuldung beschreite und eine Politik betreibe, von der vornehmlich Menschen mit hohen und sehr hohen Einkommen profitieren.

saskiaesken.de

 

 www.saskiaesken.de

Lernen Sie unsere Bundestagsabgeordnete
kennen.

Werde Mitglied!

Jetzt Mitglied werden

News

30.03.2026 18:07 Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken
Eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken nach 2038 wäre weder notwendig noch sinnvoll Die Erneuerbaren sind die sauberste, sicherste und kostengünstigste Form der Erzeugung.  Es bedarf allerdings nun auch des entschlossenen Willens der Koalition und der federführenden Bundeswirtschaftsministerin, die gesetzlichen Hebel weiter auf eine systemische Umstellung zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu stellen. „Eine verlängerte Nutzung von… Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken weiterlesen

25.03.2026 17:51 Jakob Blankenburg zum Klimaschutzprogramm
67 Maßnahmen, sieben Ministerien, ein Klimaschutzprogramm Die aktuelle Weltlage mit Konflikten, die sich massiv auf unsere Energieversorgung auswirken, zeigt eindeutig: Wir müssen schnell unabhängig von fossilen Energieträgern werden. Das heute von Bundesumweltminister Carsten Schneider vorgelegte Klimaschutzprogramm zeigt einen fairen Weg zur Erreichung der Klimaziele 2030 sowie für mehr Versorgungssicherheit auf. „Dieses Klimaschutzprogramm ist für die… Jakob Blankenburg zum Klimaschutzprogramm weiterlesen

25.03.2026 17:50 Eine notwendige strategische Perspektive für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts
Ich begrüße die Impulse von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ausdrücklich. Deutschland steht an einem Wendepunkt. Wir brauchen ein neues Wirtschaftsmodell: eines, das konsequent auf Innovation setzt, technologische Führerschaft ermöglicht und zugleich dafür sorgt, dass Wohlstand in der Breite der Gesellschaft ankommt. „Innovation und Gerechtigkeit sind die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und breiten Wohlstand in Deutschland. Deshalb… Eine notwendige strategische Perspektive für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts weiterlesen

11.02.2026 21:41 Dagmar Schmidt zum Behindertengleichstellungsgesetz
Barrierefreiheit nützt uns allen Die Bundesregierung treibt die Barrierefreiheit voran: Das Kabinett hat am Mittwoch eine Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes auf den Weg gebracht. SPD-Fraktionsvizin Dagmar Schmidt spricht von einem wichtigen Schritt. „Der Gesetzentwurf zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes bedeutet einen wichtigen Schritt hin zu einer inklusiveren Gesellschaft. Er stärkt die Rechte von Menschen mit Behinderungen und… Dagmar Schmidt zum Behindertengleichstellungsgesetz weiterlesen

11.02.2026 21:39 Stefan Zierke zur Entwicklung im Deutschlandtourismus
Rekord im Tourismus – Strategie, gute Arbeit und verlässliche Politik zahlen sich aus Stefan Zierke, tourismuspolitischer Sprecher: Der Deutschlandtourismus erreicht mit 497,5 Millionen Gästeübernachtungen einen neuen Rekord. Klare Strategie, engagierte Beschäftigte und verlässliche Politik sorgen für Wachstum, stärken die Betriebe und sichern gute Arbeit – für einen wirtschaftlich starken, sozial gerechten und nachhaltigen Tourismus in allen… Stefan Zierke zur Entwicklung im Deutschlandtourismus weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de

SPD KV Freudenstadt

Halten Sie einen "Ringbus" in Dornstetten und den Stadtteilen für sinnvoll?

Umfrageübersicht

Counter

Besucher:645198
Heute:13
Online:2